60er Jahre

Es sind die später so genannten Schleierbilder, die Lothar Quinte internationalen Erfolg brachten. Vor allem zwischen 1961 und 1962 wurden es Farbfeldklänge, die ihn an die Spitze der Avantgardemalerei hoben. So malten damals in Deutschland vielleicht noch Rainer, Gircke und Graubner im Westen der Republik. Lothar Quinte wurde damit ein gesuchter Künstler, der durch die Galerie Müller in Stuttgart den richtigen Vertreter fand, seine Kunst in wichtigen deutschen wie internationalen Ausstellung zu platzieren. Er bezeichnete seit 1963 seine Farbfelder mit zeichenhaften Rahmungen und geometrischen Gestaltungen als Fensterbilder. Kontinuität ergibt sich nur in den größeren historischen Abschnitten, nicht aber in der Findung der Bildwelten. Dies entsprach der Arbeitsweise Lothar Quintes bis am Ende. Die Entwicklungen waren sprunghaft, wurden überprüft, wiederholt, verworfen und so lange im Experiment gesucht, bis sich eine Basis für eine neue Entwicklung ergab. Diese Vorgehensweise war für Quintes Verständnis der eigenen Person wichtig, aber für die Chronologie eines Werkverzeichnis nicht immer leicht, da die Logik nicht der Zeit, sondern der Person folgt. Die Malerei ändert sich in den sechziger Jahren rasch mit der Integration der Farbkontraste vor allem zwischen Hell- und Dunkelkonsonanten zur farbig kontrastreicheren Auffältelung des Bildfelds, wobei Lothar Quintes Pinselführung von der freien, individualistischen Gestik zur Benutzung von stabilierem Acryl und festen Linealen und ihren Objektivdefinitionen findet. Vom Fensterbild zum Schlitzbild, zum Faltbild und Fächerbild führt der Weg aus der Horizontale und Vertikale der klassischen Goldene Schnitt-Proportionen zum Kreisbild der siebziger Jahre.

Lothar Quinte beim Bügeln von Gouachen im Atelier in Karlsruhe Durlacher Allee
Oben : Piero Dorazio, Karl Heinz Häring, Maria Prachensky, Hans-Jürgen Müller, Markus Prachensky.
Unten: Lothar Quinte, Rudolf Springer, Helgard Rottloff
Karlsruhe, 1962

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